Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios

Wie sollte mein Portfoliomix aussehen: in welche Anlageklassen sollte ich investieren? Nur in Aktien? In Anleihen? Gold oder andere Rohstoffe? In alternative Anlageklassen wie Private Equity oder Sachwerte wie Ackerland? In Bitcoin? Was sind die Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios? Warum setzen berühmte Investoren in ihren Portfolios auf die Kombination mehrerer Anlageklassen? Nach welchen Kriterien kann ich entscheiden, ob ich eine bestimmte Anlageklasse zu meinem Portfolio hinzufügen sollte? Um diese Fragen geht es auf bei Portfoliomix und der folgende Artikel geht ausführlich auf die Motivation ein.

Rendite und Risiko der Hauptanlageklassen

Welche Renditen können wir für die Asset-Klassen erwarten? Naheliegend ist die Ableitung der erwarteten Renditen von den historischen Renditen. Auch wenn der Disclaimer der gesamten Investmentindustrie lautet „Past performance is not indicative of future results.“: bei einer Betrachtung über einen langen Zeitraum ist dieser Ansatz sicher hilfreich, und alternativlos, kein Expertenteam dieser Welt kann über eine makroökonomische Analyse zukünftige Renditen zuverlässig voraussagen. Die folgende Tabelle listet reale (inflationsbereinigte) Renditen der Hauptanlageklassen für den Zeitraum 1970 – 2016 auf, also über fast 50 Jahre (Quelle: Gerd Kommer: Souverän Investieren mit Indexfonds & ETFs, 5. Auflage):

1970 - 2016 Aktien: MSCI World Staatsanleihen: RexP Rohstoffe: S&P GSCI Total Return Gold Immobilien (REITs) global*
Ø reale Rendite p.a.
5,0%
3,7%
2,7%
1,3%
3,4%
Maximaler Drawdown
-58%
-8%
-60%
-74%
-68%

* 1970-2010

Aktien hatten die höchste Rendite. Die Erklärung gemäß Kapitalmarkttheorie: Aktien sind in dieser Vergleichsgruppe die risikobehafteste Anlageklasse und der Aktieninvestor wird für das Tragen dieses Risikos mit einer Risikoprämie entschädigt (equity premium). Finanzmärkte entlohnen das Eingehen von Risiken, daher sind Rendite und Risiko direkt miteinander verbunden. Die erwartete Rendite eines Wertpapiers entspricht dem risikolosen Zinssatz (kurzfristige Staatsanleihen höchster Bonität) zuzüglich eines Risikozuschlages.

Die höchste Rendite geht so auch bei Aktien mit dem höchsten Risiko einher, in obiger Tabelle als maximaler Drawdown (maximaler Wertverlust zwischen einem Höchststand und dem darauf folgenden Tiefststand) ersichtlich. Eine andere Risikobetrachtung ist die starke Schwankung der Jahresrenditen, hier am Beispiel MSCI World für Aktien und RexP für deutsche Staatsanleihen:

Rendite 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
MSCI World
-14%
-18%
-21%
31%
13%
8%
18%
7%
-42%
27%
RexP
7%
6%
9%
4%
7%
4%
0%
3%
10%
5%
Rendite 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019
MSCI World
10%
-8%
13%
24%
3%
-3%
5%
20%
-10%
25%
RexP
4%
8%
5%
0%
7%
1%
2%
1%
1%
1%

Die Rendite von Aktien weicht in einzelnen Jahren sehr stark von der historischen und damit zu erwartenden jährlichen Rendite ab, fast 50% selbst für einen breiten Index wie den MSCI World. Dies kann auch für längere Zeiträume gelten. So wies der MSCI World für die Dekade von 2001 bis 2010 eine negative Rendite auf. Die von historischen Renditen abgeleiteten Renditeerwartungen sind ganz und gar nicht als Garantie zu verstehen. Ohne das Risiko der ungewissen zukünftigen Rendite, könnte der Anleger ja auch keine Riskprämie erwarten. Je länger der Investitionszeitraum, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass die erzielte Rendite der erwarteten Rendite entspricht (Regression zum Mittelwert). Dies ist auch die Grundlage für die häufig gehörte Empfehlung, je länger der Anlagehorizont, desto höher kann die Aktienquote gewählt werden.

Sehr risikofreudige Anleger können zu dem Schluss kommen, dass ihnen die Volatilität eines reinen Aktien-Portfolios nichts ausmacht. Bitte nicht vorschnell zu dieser Gruppe zuordnen (Zahlen für das Beispiel MSCI World): Vermögensverluste von über 50%, Schwankungen der jährlichen Renditen im Bereich von -50% bis 30%, drei aufeinanderfolgende Jahre mit mindestens 14% Verlust, Verlust über einen Zeitraum von 10 Jahren— das muss man aushalten können!

Nervenstärke vorausgesetzt, manch ein Anleger unterschätzt wie sich Lebenspläne ändern können und findet sein Depot —wenn er auf sein ursprünglich für 30 Jahre Investition vorgesehenes Anlagekapital zugreifen will— mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit im Minus oder zumindest deutlich unterhalb der langfristigen Renditeerwartung wieder. Spätestens wenn ein Anleger sein Depot im Alter entsparen will, muss er sich Gedanken zur Umschichtung von Aktien machen, um die Qualität seines Lebensabends nicht zu sehr von den Launen des Aktienmarktes abhängig zu machen. (Als Ausblick: sehr erfahrene Investoren mit der Bereitschaft ihr Portfolio mit gehörigem Aufwand aktiv zu verwalten, können statt Buy&Hold über die Long/Short-Strategie die Schwankungen des Aktienportfolios reduzieren.)

Von diesem grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko gibt es allerdings eine faszinierende Ausnahme: Diversifikation, also die Streuung der Anlage. Also doch ein free lunch? Bevor wir uns die Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios ansehen, starten wir mit den Vorteilen der Diversifikation innerhalb der Anlageklasse Aktien.

Diversifikation innerhalb einer Anlageklasse

Der banale Nutzen der Diversifikation wird in der Weisheit „Nicht alle Eier in einen Korb legen“ beschrieben. Diversifikation eliminiert Risiken. Innerhalb der Anlageklasse Aktien ist dies inzwischen für fast jeden Privatanleger offensichtlich, wie die Beliebtheit von ETFs zeigt. Ein Branchen-ETF eliminiert das Einzelaktienrisiko, das z.B. auf dem negativen Einfluss von Fehlentscheidungen des Managements beruht, insbesondere das resultierende Totalverlustrisiko. So werden vermutlich einige Unternehmen der junge Cannabis-Industrie nicht überleben. Einem Totalverlustrisiko kann man entgehen, wenn man über einen Branchen-ETF in einen breiten Korb an Cannabis-Unternehmen und nicht in einen einzelnen Wert investiert. Wenn die gesamte Branche abstürzt, wie Cannabis im Jahr 2019 mit bis zu 80% Verlust, dann trägt man als Investor dieses Branchen-Risiko aber voll.

Ein branchenübergreifender Länder-ETF reduziert wiederum das Branchenrisiko. Ein ETF auf den Russell 2000 Index beinhaltet Cannabis-Aktien, aber auch Aktien anderer Branchen (Finanzen, Biotechnologie, Software, Versorgung, Bau etc.), so dass der Einbruch einer Branche weniger ins Gewicht fällt. Das Risiko des US-Small-Cap-Aktienmarktes trägt dieser ETF aber voll. Ein globaler ETF eliminiert wiederum das länderspezifische Risiko. Dies ist natürlich auf andere Anlageklassen übertragbar, so kann ein Anleihen-ETF über Restlaufzeiten, Bonitäten sowie staatliche und private Schuldner diversifizieren. Ein Immobilien-ETF kann über Regionen und Immobilienart diversifizieren. Ein Rohstoff-ETF kann Energierohstoffe, Edel- und Industriemetalle sowie Agrarrohstoffe enthalten.

Unternehmensspezifische, branchenspezifische und länderspezifische Risiken kategorisiert man als unsystematisch. Diversifikation innerhalb einer Anlageklasse reduziert ausschließlich unsystematische Risiken. Dem gegenüber steht das systematische Risiko, auch als Marktrisiko bezeichnet, das sämtliche Wertpapiere einer Anlageklasse, also zum Beispiel alle Aktien, gleichermaßen betrifft.

Diversifikation innerhalb einer Anlageklasse: Reduzierung von Risiken

Risiko-Ursachen können z.B. Verwerfungen in der Finanzwelt (Finanzkrise ab 2007), politische Ereignisse (Brexit-Referendum 2016), Naturkatastrophen (Fukushima 2011), Pandemien wie COVID-19 oder geldpolitische Maßnahmen (Zinsanstiege) sein. Das systematische Risiko kann nicht durch Diversifikation innerhalb einer Anlageklasse verringert werden: auch ein über Länder, Branchen und Marktkapitalisierung diversifiziertes Aktienportfolio verlor in jedem dieser Beispiele an Wert.

Bezüglich der Vorteile der Diversifikation innerhalb der Anlageklasse Aktien sind wir somit ans Ende gekommen. Hier kommt jetzt die Portfoliokonstruktion mit den Vorteilen eines Multi-Asset-Portfolios ins Spiel: die Streuung des Anlagekapitals über Anlageklassen.

Diversifikation über Anlageklassen: Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios

Aktien haben in der Vergangenheit die höchste Rendite erzielt und wir erwarten dies auch für die Zukunft. Sie sollten daher Hauptbestandteil eines jeden langfristigen Portfolios sein. Allerdings erkaufen wir die Rendite durch ein höheres Risiko im Vergleich zu den anderen Hauptanlageklassen. Diversifikation innerhalb der Anlageklasse über breite globale ETFs eliminiert das Einzelaktien-, das Branchen- und das Länderrisiko. Es bleibt das Marktrisiko der Anlageklasse, das wie am Beispiel MSCI World gesehen immer noch beträchlich ist. Wie können wir das Risiko weiter reduzieren, den maximalen Drawdown und die jährlichen Renditeschwankungen begrenzen?

Die einfache Lösung: nicht das gesamte Anlagekapital investieren. Wenn nur 50% im Aktienmarkt investiert sind, 50% in Cash gehalten werden (oder in vergleichbar risikolosen Assets), so hat ein Crash von 50% für das Gesamtdepot einen Wertverlust von nur noch 25% statt 50% zur Folge. Allerdings sinkt proportional mit dem Risiko auch die Renditeerwartung, da der risikolose Anteil keine Rendite erwirtschaftet. Diversifikation über Anlageklassen kann mehr. Sofern richtig gemacht, können wir das Portfoliorisiko senken, ohne die Rendite zu reduzieren. Das ist der Vorteil eines Multi-Asset-Portfolios. Für die Beantwortung der Frage, wie man richtig über Anlageklassen diversifiziert, ist das Konzept der Korrelation entscheidend.

Korrelation

Die Korrelation bezeichnet den Grad der Gleichläufigkeit der Wertentwicklung von Assets. Bei einer Korrelation = 1 entwickeln sie sich exakt gleich (bei 1% Wertsteigerung von Asset A, steigt auch Asset B um 1%), bei 0 entwickeln sie sich unabhängig voneinander (unkorreliert: wir können keine Aussage treffen, wie sich Asset B bei einer 1% Wertsteigerung von Asset A entwickelt), bei -1 entwickeln sie sich exakt gegenläufig (negativ korreliert: bei 1% Wertsteigerung von Asset A, fällt Asset B um 1%). Man kann die Korrelation zwischen Wertpapieren einer Anlageklasse und zwischen Anlageklassen für einen Zeitraum bestimmen, aber Korrelationen schwanken.

Beispiel: es gibt zumeist eine starke Korrelation zwischen den Aktien von BMW und Daimler, da beide den gleichen Branchen- und Landeseinflüssen ausgesetzt sind. Eine schwächere Korrelation kann zwischen einem Ölkonzern und einer Fluggesellschaft beobachtet werden, da zweitere von einem schwachen Ölpreis profitiert und ersterer darunter leidet. Folgender Tabelle kann man die Korrelationen der Hauptanlageklassen für den Zeitraum 1997 bis 2016 ablesen (Quelle: Kommer: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs, Campus Verlag, 2018, Risiko-freie Anlage: 50% RexP und 50% Geldmarkt):

Korrelation der Jahresrenditen in EUR MSCI World MSCI World Small Cap MSCI Emerging Markets Immo Aktien global Rohstoff-Futures Gold Risiko-freie Anlage Inflation DE
MSCI World
+1,00
MSCI World Small Cap
+0,88
+1,00
MSCI Emerging Markets
+0,70
+0,77
+1,00
Immo Aktien global
+0,55
+0,71
+0,46
+1,00
Rohstoffe-Futures
+0,34
+0,45
+0,55
+0,33
+1,00
Gold
+0,09
+0,18
+0,52
+0,21
+0,36
+1,00
Risiko-freie Anlage
-0,59
-0,64
-0,58
-0,34
-0,26
-0,06
+1,00
Inflation DE
-0,15
-0,13
0,00
-0,06
+0,38
0,00
+0,29
+1,00

Jede Anlageklasse hat spezifische systematische Risiken, allerdings treten diese bei schwach und negativ korrelierten Anlageklassen nicht zur selben Zeit in Erscheinung. Anlageklassen verhalten sich in den verschiedenen Phasen des Konjunkturzyklus und unter verschiedenen makroökonomischen Bedingungen (insbesondere Wirtschaftswachstum und Inflation) unterschiedlich. Eine beliebte Veranschaulichung, u.a. auch bei Kommer: ein Depot enthält Aktien eines Badehosen-Unternehmens und eines Regenschirm-Unternehmens. Ein trockener Sommer lässt die Badehosen-Verkäufe sprudeln und die Regenschirm-Verkäufe einbrechen (negative Korrelation). Bei einem regnerischen Sommer ist es genau umgekehrt. Wenn es langfristig genau so viele trockene wie regenerische Sommer gibt, so erzielt das Depot die gleiche Durchschnittsrendite wie ein Depot, dass nur Aktien eines der beiden Unternehmen enthält, allerdings ohne Renditeschwankungen.

Beispiele, die im echten Leben beobachtet werden konnten: bei steigenden Zinsen erleiden Anleihen Verluste, dafür steigen tendenziell die Rohstoffpreise. Die politische Unsicherheit des Brexit-Referendums resultierte in Verlusten an den Aktienmärkten, dafür stieg der Goldpreis. Der Preis von Bitcoin machte außerhalb des etablierten Finanzsystems unkorreliert was er wollte. Neben den schon aufgeführten Rendite- und Risikozahlen, ist daher die Betrachtung der Korrelationen zwischen Anlageklassen von entscheidender Bedeutung für die Konstruktion von Portfolios, die in allen ökonomischen Szenarien performen. Je geringer die Korrelation zwischen zwei Anlageklassen, umso höher der positive Effekt der Diversifikation. Um die Vorteile der Diversifikation voll auszunutzen, alle Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios zu heben, muss man gezielt Anlageklassen unter Berücksichtigung der Korrelationen kombinieren.

Portfoliorisiko reduzieren, Rendite steigern

Wir haben gesehen, dass eine Steigerung des risikolosen Portfolioanteils das Risiko reduziert, aber auch die Rendite. Ich habe versprochen, dass Diversifikation über Anlageklassen mehr kann, sofern wir Assetklassen im Portfolio kombinieren, die eine möglichst geringe Korrelation aufweisen. So ist es möglich bei reduziertem Portfoliorisiko die gleiche Portfoliorendite oder bei gleichem Risiko eine höhere Rendite zu erzielen. Faszinierenderweise ist es sogar möglich gleichzeitig das Risiko zu reduzieren und die Rendite zu steigern. Das Erzielen dieser Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios ist unser Ziel.

Beispiel, kombinieren wir aus obiger Tabelle die beiden Anlageklasse mit der geringsten Korrelation für den Zeitraum 1972 – 2019 (mit Hilfe von www.portfoliovisualizer.com):

Portfolio Ø jährliche Rendite aus $10.000 wurden Maximaler Drawdown Volatilität*
100% US Aktien
10,4%
$1.176.380
-51%
15,3%
75% US Aktien, 25% Gold
10,7%
$1.314.947
-37%
12,6%

* als Standard-Abweichung der jährlichen Renditen

Das Erstaunliche: Gold ist für den betrachteten Zeitraum sowohl riskanter als US Aktien (max. Drawdown von 62% im Vgl. zu 51% für Aktien; Volatilität 20% im Vgl. zu 15%), als auch renditeschwächer (7,5% im Vgl. zu 10,4%). D.h.

  • Durch das Hinzufügen eines riskanteren Assets wurde das Portfoliorisiko reduziert!
  • Durch das Hinzufügen eines Assets mit geringerer Rendite wurde die Portfoliorendite gesteigert!

Diese gegenseitige Ergänzung von verschiedenen Anlageklassen zu einem Portfolio, dessen Chance-Risiko-Verhältnis größer ist als die Summe der Einzelteile, das ist das volle Potenzial von Diversifikation über Anlageklassen und zeigt die Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios. Das Hinzufügen von Gold im Beispiel oben hat nicht nur die Defensive verbessert (gerngere Volatilität, geringerer Drawdown), sondern auch die Offensive (höhere Rendite) weil es zur Zeit der Schwäche von Aktien schien und so die Grundlage für die Profitierung von den folgenden Aktienmarktanstiegen legte. Aktien haben von den Hauptanlageklassen die höchste Renditeerwartung. Die verbreitete Annahme, dass ein reines Aktienportfolio daher die höchste Renditeerwartung im Vergleich zu Portfolios mit Aktien und anderen Anlageklassen hat, ist aber falsch. Die Hinzunahme von Anlageklassen mit geringerer Renditeerwartung kann die Renditeerwartung für das Portfolio steigern.

Das Beispiel der Renditesteigerung und Risikosenkung durch die Hinzunahme von Gold zu Aktien ist keine Ausnahme, die ich lange suchen musste, sondern vielmehr Systematik bei der Kombination von unkorrelierten Assets. Das folgende Diagramm ist aus Roger Bigsons Buch Asset Allocation übernommen. Verglichen werden über einen Zeitraum von 40 Jahren alle möglichen Portfolios zusammengesetzt aus den vier Anlageklassen

  • US-Aktien (S&P 500), hier mit dem Buchstaben A bezeichnet,
  • internationale Aktien (MSCI EAFE, entwickelte Welt ohne USA), mit B bezeichnet,
  • Immobilienaktien (FTSE NAREIT Equity REITs), Buchstabe C und
  • Rohstoffe (S&P GSCI), mit dem Buchstaben D bezeichnet.

Ein Portfolio kann dabei aus einer, zwei, drei oder allen vier Anlageklassen zusammengesetzt sein. Die grauen Vierecke sind die Portfolios mit nur einer Anlageklasse. Die blauen Dreiecke sind die Portfolios aus zwei Anlageklassen (jeweils 50%). Die schwarzen Diamanten sind die Portfolios aus drei Anlageklassen (jeweils 33%). Der gelbe Kreis ist das Portfolio mit allen vier Anlageklassen (jeweils 25%). Das Portfolio mit der Bezeichnung AC kombiniert zum Beispiel S&P 500 und REITs. Jedes Portfolio wird gemäß Volatilität (x-Achse) und Rendite (y-Achse) eingetragen. Ein gutes Portfolio liegt in der linken oberen Ecke: geringe Volatilität, hohe Rendite.

Rendite und Volatilität für 15 Portfolios (1972-2011) nach Gibson

Direkt ersichtlich: die Portfolios aus nur einer Anlageklasse finden wir unten rechts; höhere Volatilität, wenig überraschend, aber auch niedrigere Rendite. Ausnahme bilden die REITs, die von allen Portfolio-Kombinationen die höchste Rendite erzielten. Je mehr Anlageklassen wir kombinieren, umso weiter wandern die Portfolios in die linke obere Ecke. Die Portfolios aus nur einer Anlageklasse haben im Durchschnitt eine Rendite von 10,2% und eine Volatilität von 21,3%. Das Portfolio mit allen vier Anlageklassen hat eine Rendite von 11,4% bei einer Volatilität von nur 13,9%.

Zweite Beobachtung: je mehr Anlageklassen im Portfolio enthalten sind, umso kleiner wird die Spanne zwischen kleinster/größter Rendite sowie kleinster/größter Volatilität innerhalb der Gruppe der Portfolios mit der gleichen Anzahl an Anlageklassen. Für die Kategorie Portfolios aus nur einer Anlageklasse beträgt der Unterschied zwischen kleinster Rendite (Rohstoffe) und größter Rendite (REITs) 2,62%. Für Portfolios mit drei Anlageklassen nur 0,8% (ABD und BCD). Wer auf nur eine Anlageklasse setzt, geht eine höhere Ungewissheit ein, welche Rendite und Volatilität sein Portfolio erzielen wird.

Gedankenexperiment: du musst dich für eine Kategorie entscheiden und erhälst für deine eine Chance über Jahrzehnte zu investieren dann einen zufällig ausgewählten Vertreter. Volatilität halten wir aus, betrachten wir nur die Rendite. Willst du zufällig ein graues Viereck oder ein blaues Dreick zugewiesen bekommen? Natürlich entscheidet man sich für die Kategorie blaues Dreieck, also zwei Anlageklassen anstatt nur eine Anlageklasse. Der Durchschnittswert für die Rendite ist 10,9% gegenüber 10,2% und die Spanne zwischen schlechtester und bester Rendite ist deutlich geringer.

Und wenn es nun auch möglich ist, dass du dich für die schwarzen Diamanten entscheidest? Natürlich ziehen wir die den blauen Dreicken vor, würden also auf drei statt nur zwei Anlageklassen setzen: durchschnittliche Rendite von 11,2% gegenüber 10,9% und eine deutlich geringere Spanne zwischen schlechtester und bester Rendite. Und wenn du dich auch direkt für den gelben Kreis, also das Portfolio aus allen vier Anlageklassen entscheiden könntest? Na, dann würden wir dies nehmen: Rendite von 11,4% gegenüber einem Erwartungswert von 11,2% für die Portfolios aus drei Anlageklassen.

Dies veranschaulicht den systematischen Vorteil von Multi-Asset-Portfolios: geringere Volatilität (da die einzelnen Anlageklassen nicht im Gleichklang laufen), mögliche höhere Rendite (diversification return: die Rendite des Portfolios liegt über dem gewichteten Durchschnitt der Renditen der Portfoliobausteine), geringere Spanne für die mögliche Rendite. Ganz ehrlich: hättest du bevor du die Zahlen gesehen hast nicht getippt, dass der S&P 500 die beste Rendite erzielt hat? Hättest du dich so positioniert, so wäre die Rendite geringer als bei jedem Portfolio aus zwei oder mehr Anlageklassen ausgefallen. Niemand investiert 100% in einen REIT-Index und wir sollten uns vermutlich auch keine Einschätzung zutrauen, welche Anlageklasse in den kommenden Jahrzehnten die beste Rendite erzielen wird.

Müssen wir auch nicht, wenn wir bei der Diversifikation nicht innerhalb einer Anlageklasse stehen bleiben. Im obigen Beispiel dominieren Portfolios je mehr Anlageklassen sie kombinieren, da die einzelnen Anlageklassen schwach miteinander korrelierten:

Korrelation der Jahres-renditen (1972-2011) U.S. Aktien intern. Aktien REITs Rohstoffe
U.S. Aktien
+1,00
intern. Aktien
+0,66
+1,00
REITs
+0,57
+0,41
+1,00
Rohstoffe
-0,06
-0,04
-0,05
+1,00

Die Kombination unkorrelierter Anlageklassen: The Holy Grail of Investing

Portfoliomix dreht sich primär um die Frage, wie wir uns den Diversifikationsvorteil von Multi-Asset-Portfolios zu Nutze machen können. Ein Portfolio mit mehreren geeignet ausgewählten Assetklassen macht bei der Diversifikation da weiter, wo die Diversifikation über ETFs innerhalb einer Asset-Klasse aufhört. Wir wollen nicht bei banaler Diversifikation, dem Hinzufügen risikoloser Assets mit einer resultierenden geringeren Renditeerwartung für das Gesamtportfolio stehen bleiben. Durch die Kombination von Anlageklassen, die untereinander schwach, nicht oder sogar negativ miteinander korreliert sind, nutzen wir das volle Potenzial der Diversifikation und erzielen alle Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios: geringeres Risiko bei gleicher oder höherer Renditeerwartung im Vergleich zu einem reinen Aktienportfolio.

Es geht also um Asset Allocation, der Auswahl und Gewichtung der Anlageklassen. Eine der wichtigsten Erkenntnisse: über 90% der Rendite und ca. 90% des Risikos eines Portfolios werden durch die Asset Allocation bestimmt (Quelle z.B. Ibbotson & Kaplan 2000), nicht durch die gewählten Wertpapiere innerhalb der Assetklassen. Genauer gesagt ist die strategische Asset Allocation ausschlaggebend, die Entscheidungen über die langfristige Portfoliostruktur trifft. Taktische Asset Allocation bezeichnet die gezielte Über-/Untergewichtung von Anlageklassen basierend auf einer Einschätzung der kurz- und mittelfristigen Renditeentwicklung, z.B. bei Zutrauen der Bewertung ob eine Anlageklasse momentan teuer oder billig ist. Höchst zweifelhaft, ob dies für den Privatanleger erfolgsversprechend ist. Daher konzentriert sich Portfoliomix auf die strategische Asset Allocation. Rebalancing, d.h. die regelmäßige Wiederherstellung der gewünschten Asset Allocation, berücksichtigt die unterschiedliche Wertentwicklung der einzelnen Anlageklassen.

Hedge Fund Manager Ray Dalio hat die Kombination unkorrelierter Assets und die resultierenden Diversifikationsvorteile als Holy Grail of Investing bezeichnet. Seine Schlussfolgerung: die Strategie muss es sein, 15 bis 20 unkorrelierte Investments zu finden, um das Rendite/Risiko-Verhältnis zu maximieren. Die Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios setzen natürlich nicht erst ab 15 Investments ein. In seinem Buch Principles zeigt Dalio, dass das Hinzufügen eines zweiten Assets das Portfolio-Risike bereits um 29% reduziert. Sechs unkorrelierte Assets senken das Risiko um fast 60%.

Herausforderung bei unserer Suche nach diesem heiligen Gral: Grundlage der Entscheidungen sind erwartete Rendite, Risiko und Korrelation der Anlageklassen. Diese Parameter sind über die historischen Daten nur abschätzbar und ändern sich kontinuierlich, insbesondere in bewegten Marktphasen. So konnte man im rasanten COVID-19-Crash beobachten, wie Unsicherheit und Suche nach Liquidität zeitgleich zu einem Abverkauf fast aller Assetklassen geführt haben, incl. Gold und Staatsanleihen, die für genau solche Momente als Sicherheitsanker gedacht waren, incl. Bitcoin, das doch als unkorreliert galt. Zudem müssen wir erst einmal Asset-Klassen finden, die ausreichend schwach miteinander korrelieren. Und wenn wir eine Asset-Klasse gefunden haben, so gilt es eine für den Privatinvestor sinnvolle Umsetzung zu erarbeiten. Das praktische Nicht-Vorhandensein von negativ korrelierten Anlageklassen verhindert zudem, dass wir das Portfoliorisiko vollständig eliminieren. Aber fangen wir erst einmal an, die Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios zu heben. An die Arbeit!

Zusammenfassung der Vorteile eines Multi-Asset-Portfolios

Diversifikation über Anlageklassen für Aktien-ähnliche Renditen bei geringerem Risiko

  • Rendite und Risiko hängen direkt zusammen, es gibt nur ein free lunch: Diversifikation.
  • Diversifikation innerhalb einer Anlageklasse ermöglicht reduziertes Risiko bei gleicher Rendite.
  • Korrelations-basierte Diversifikation über Anlageklassen ermöglicht gleiche oder sogar höhere Rendite im Vergleich zu einem Aktienportfolio bei geringerem Risiko.
  • 90% der Rendite und des Risiko eines Portfolios werden durch die Asset Allocation bestimmt.
  • Portfoliomix sucht Assetklassen mit geeigneten Rendite/Risiko-Charakteristiken und Korrelationen.

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