Bewertung: Portfolio von Meb Faber

Meb Faber ist einer der bekanntesten internationalen Köpfe zum Thema Asset Allocation und Portfoliokonstruktion, was die Bewertung seines privaten Portfolios besonders interessant macht. Fabers Website gibt einen umfassenden Überblick seines durchweg zu empfehlenen Contents, seinen Büchern gegen Email-Adresse zum freien Download, seinem Podcast, sowie Aufsätzen zu seiner Forschungsarbeit. Er ist Chief Investment Officer seiner eigenen Firma Cambria Investment Management, die Beratung und Vermögensverwaltung aber auch ETFs anbietet. Ein zweites Unternehmen ist The Idea Farm, ein Service der Auszüge aus verschiedenen Research Services in einen kostenpflichtigen wöchentlichen Newsletter bündelt. In einem Blogpost hat Meb Faber erst im März diesen Jahres seinen aktuellen Portfoliomix vorgestellt. Nach einer kurzen Vorstellung dieses Multi-Asset-Portfolios mit einer außergewöhnlichen Asset Allocation folgt die Bewertung von Meb Fabers Portfolio.

Asset Allocation von Meb Fabers Portfolio

Wie bei vielen Unternehmensgründern steckt auch der Großteil von Meb Fabers Vermögen in seinen Unternehmen. Genau kann er den Anteil nicht beziffern, schätzt ihn auf 50-99% seines Gesamtvermögens. Ohne Frage vage, dennoch können wir den Aspekt des Unternehmensbesitzes in der Bewertung von Meb Fabers Portfolio nicht außer Acht lassen. Da diese Unternehmungen sehr riskant sind, im Gegenzug aber auch ein enormes Renditepotenzial haben, ist das restliche Portfolio weniger offensiv aufgestellt, als es ansonsten vermutlich wäre. Meb Fabers Portfolio ohne seine beiden Unternehmen:
Meb Faber Portfolio: Asset Allocation

Ungewöhnlich ist Ackerland als größte Position mit einem Anteil von über einem Drittel. Faber betont wie im Artikel Anlageklasse Ackerland ausgeführt die stabile Einkommensgenerierung und geringe Korrelation. Sicher spielt aber auch eine Rolle, dass er familiäre Wurzeln in der Landwirtschaft hat. Daher investiert er auch per direktem Besitz in Ackerland.

Ebenso ungewöhnlich ist sein Private Equity Anteil gleicher Größe, der nicht etwa über einen Fonds, sondern über mehr als 150 von ihm über Jahre aufgebaute Direktinvestments in private Unternehmen gebildet wird. Bislang hatte er erst 10 Exits (u.a. Lyft), die aber eine beachtliche Rendite von über 40% pro Jahre brachten. Neben seinen beiden Unternehmen hat Faber also mit der Direktanlage in Ackerland und Private Equity weitere 72% seines Vermögens in privaten, außerbörslich gehandelten Anlagen.

Bei den Public Investments beweist Meb Faber skin in the game: mit dem Trinity Allocation ETF und dem Tail Risk ETF investiert er in zwei von seinem Unternehmen angebotene ETFs. Der Trinity Allocation ETF (Ticker: TRTY) ist ein Multi-Asset-ETF, der wie der Name vermuten lässt die drei Hauptanlageklassen abgedeckt: Aktien, Anleihen, Sachwerte (Real Assets). Er wird von Meb Faber persönlich aktiv gemanagt, anstelle einen anerkannten Index abzubilden. Aktiv in Zahlen: die Turnover-Rate liegt bei knapp 90%, d.h. 90% des Fondsvermögens wurde bislang in einem Jahr umgeschichtet. Die Gebühren liegen unter 0,5% und sind damit geringer als für aktive Fonds üblich.

Der ETF investiert als ein Dach-ETF ausschließlich in andere ETFs, und zwar ca. 20 ETFs für die Anlageklassen Aktien, Anleihen (incl. Unternehmensanleihen), Immobilien (über REITs), Rohstoffe (über Futures) und Währungen. Faber lässt sich bezüglich seiner Strategie für die Positionsauswahl und Größenbestimmung nicht in die Karten schauen, gibt aber an, eine systematisch-quantitative Strategie zu verfolgen. So nutze er das Shiller-KGV als Kriterium, ob ein Aktienmarkt überbewertet ist. Zudem setzt er auf Momentum- und Trendfolge-Strategien. Während normaler Marktbedingungen zielt der ETF auf eine Asset Allocation von 25% Aktien, 25% Anleihen, 35% Trendfolge-Strategien (über alle betrachteten Anlageklassen) und 10% in alles weitere (Rohstoffe, Immobilien, Währungen).

Der Tail Risk ETF (Ticker: TAIL) wurde aufgelegt, um Absicherung gegen plötzliche enorme Kursverluste verursacht durch extreme Ereignisse zu bieten. Beispiele für Tail-Risk-Ereignisse waren die Reaktorkatastrophe von Fukushima oder die Covid19-Pandemie. Der Tail Risk ETF ist wie eine Versicherung gegen Kursverluste durch Tail-Risk-Ereignisse zu verstehen. Das heißt auch, wie bei jeder anderen Versicherung, im Nicht-Schadensfall, also in den meisten Jahren, kostet die Versicherung Geld (negative Rendite).

Die Absicherung erfolgt über den Kauf von Put-Optionen auf den S&P 500 Index (out-of-the-money, bis zu 30% unter dem aktuellen Index-Stand), die bei Markteinbrüchen und stark steigender Volatilität im Preis steigen. Diese Optionen haben jedoch ein Verfallsdatum und sind bei Nicht-Eintreten eines starken Kursverfalls vor diesem Zeitpunkt wertlos, wodurch die laufenden Kosten des ETFs entstehen. Damit der ETF in einem steigenden Markt nicht nach kurzer Zeit sein Pulver verschossen hat, wird der Großteil der Anlagesumme in mittelfristige US-Staatsanleihen gehalten (durchaus bis zu 95% und mehr). Der ETF kauft mehr Puts bei niedrigerer Volatilität (Optionen sind billiger) und weniger Puts bei hoher Volatilität (Optionen sind teurer). Die Puts werden gestaffelt gekauft, so dass jeden Monat Optionen auslaufen.

Schließlich, bei den 6% Aktienfonds setzt Faber vollständig auf Emerging Markets, wie Faber mehrmals ausplauderte. Aufgrund folgender Faktoren ist er extrem optimistisch für Schwellenländer: Großteil der Weltbevölkerung und vorteilhaftere Demographie, deutlich größerer Anteil an der Wirtschaftsleistung der Welt im Vergleich zum Anteil an der Marktkapitalisierung, höheres Wachstums der Gewinne pro Aktie, höhere Dividendenrenditen, geringere Bewertungen.

Wenn auch im Diagramm oben nicht eingezeichnet, da kleiner als 1%: Meb Faber hält auch noch einige Sachwerte (seltene Münzen, Comics), einen Canabis-ETF und Kryptowährungen. Letztere nicht wirklich aus Überzeugung, wie er eingesteht, sondern vor allem um sich bei enormer Wertentwicklung später keine Vorwürfe machen zu müssen. So wie im Artikel Anlageklasse Bitcoin beschrieben: eine kleine Allokation in Kryptowährungen von bis zu einem Prozent reißt bei einem Totalverlust kein Loch ins Portfolio, kann bei ähnlichen Renditen wie in der Vergangenheit aber einen großen positiven Rendite-Unterschied machen.

Bewertung des Portfolios von Meb Faber

Ackerland als größte Portfolioposition mit über einem Drittel ist sehr ungewöhnlich, aber im Artikel Anlageklasse Ackerland habe ich die herausragenden Eigenschaften als Portfoliobaustein für ein Multi-Asset-Portfolio vorgestellt: zuverlässige Rendite durch Wertsteigerung und Pacht bei geringer Volatilität, negative Korrelation zu Aktien und Anleihen. Auch fundamental stimmt die Story: das Bevölkerungswachstum führt zu einer steigenden Nachfrage an Agrarprodukten, die in steigenden Ackerpreisen resultieren sollte, da es ein limitiertes Angebot gibt. Wenn man wie Meb Faber durch ein persönliches Netzwerk Bezug zur Landwirtschaft hat, somit auf Experten für die Beurteilung zurückgreifen kann und Angebote zum Direkterwerb erhält, so sollten Investments in Ackerland meiner Meinung nach in der Tat einen Eckpfeiler des Portfolios bilden. Nicht einfach für den Privatanleger, aber in Anlageklasse Ackerland werden verschiedene Optionen untersucht.

Noch schwieriger als der Aufbau eines diversifizierten Ackerland-Portfolios ist der Aufbau eines diversifizierten Portfolios von Beteiligungen an privaten Unternehmen. Mehr als 150 Investments sind es bei Meb Faber. Das können wir leider nicht nachmachen, da wir weder über ein vergleichbares Netzwerk in die Vermögensverwaltungsbranche noch über das nötige Taschengeld verfügen. Das Ausfallrisiko von Private Equity Investments ist extrem hoch, so endeten auch zwei der zehn bisherigen Exits mit einem Totalverlust (nur zwei, muss man sagen, gute Arbeit, Meb). Umso wichtiger und beeindruckender, dass er mit über 150 Unternehmen diversifiziert.

Eine quantitative Bewertung ist für den börsennotierten Anteil von Meb Fabers Portfolio möglich. Der Trinity Allocation ETF startete erst im September 2018. Zwei Jahre Lebenszeit sind zu wenig, um ihn seriös bewerten zu können. Im eigenen Prospekt wird der ETF mit dem S&P Balanced Equity and Bond Moderate Index verglichen, der sich aus 50% Aktien (S&P 500) und 50% Anleihen (mittelfristige US-Staatsanleihen) zusammensetzt. Diesen Vergleich verliert der Trinity Allocation ETF deutlich: während der Benchmark-Index von September 2018 bis September 2020 einschließlich fast 11% jährliche Durchschnittsrendite und Gesamtrendite von fast 24% erreichte, steht für den Trinity ETF eine durchschnittliche Jahresrendite von ca. -2% und eine Gesamtrendite von ca. -5% zu Buche.

Bei der Bewertung des Tail Risk ETF gab es ja leider kürzlich mit dem Kurseinbruch ausgelöst durch die Covid19-Pandemie eine Situation, für die man den ETF im Depot hat: konnte der ETF das Portfolio absichern? Zunächst, aufgelegt im Juni 2017, ist die durchschnittliche jährliche Rendite bei ca. -3%, die kumulierte Rendite seit dem bei ca. -10%. Eine Versicherung kostet Geld, die Einnahmen der Position von über 90% in mittelfristige US-Staatsanleihen sind geringer als die Kosten zum Kauf der Put-Optionen. (Die ETF-Gebühren betragen 0,59%, sind ein Faktor, aber nicht der Entscheidende.) Folgender Chart zeigt die Preisentwicklung des Tail Risk ETF in blau, zusätzlich den S&P 500 in orange. Der ETF geht kontinuierlich Short den S&P, setzt also auf fallende Kurse, und die resultierende negative Korrelation zum S&P ist hier deutlich zu erkennen.

Portfolio-Absicherung mit Cambria TAIL Risk ETF: Kursentwicklung im Vergleich zum S&P 500

Bei Kurseinbrüchen wie zum Jahresende 2018 oder eben auch im Februar/März 2020 stieg der Tail Risk ETF wie erhofft stark an, mit einem Kursgewinn ungefähr entgegengesetzt zum Kursverlust des S&P 500. Einen Großteil der Gewinne hat der Tail Risk ETF aber in der seit März laufenden Rallye an den Aktienmärkten wieder abgegeben. Der ETF ist also ohne Frage ein wirksamer Hedge, aber mit laufenden Kosten. Das wird in folgender Grafik der Rendite deutlich: der ETF hat einen konstanten Drift nach unten, unterbrochen durch starke Kurssprünge, die ihn aber bislang auch nur zurück auf das Niveau des Ausgabepreises gebracht haben. Seit Erscheinen beträgt die Rendite wie gesagt über -10%.

Meb Faber nutzt den Tail Risk ETF als Cash-Ersatz. Als kontinuierliche Versicherung sollte man sich den Tail Risk ETF gut überlegen. Sinn macht die Absicherung insbesondere wenn man sich in gewissem Maße Market-Timing im Rahmen einer taktischen Asset Allocation zutraut, also z.B. bei einem Kursverlust des S&P500 von über 20% anfängt von Tail Risk ETF in Aktien umzuschichten.

Wenn wir die Anlageklasse-übergreifende Asset Allocation auflisten, fällt die geringe Aktienquote ins Auge:

  • 36% Ackerland
  • 36% Private Equity
  • 10% – 17% Aktien (je nach Ausrichtung des Trendfolge-Anteils des Trinity ETFs)
  • 5% – 11% Anleihen (mit gleicher Begründung)
  • 2% – 8% Rohstoffe, Immobilien, Währungen
  • 4% Short Aktien

Wenn wir die 4% Portfolio-Absicherung mit dem Wetten auf fallende Kurse durch den Tail Risk ETF abziehen, beträgt die netto Aktienquote nur 6% bis 13%. Durch seinen hohen Private Equity Anteil partizipiert das Portfolio aber natürlich stark am Wirtschaftswachstum. Dennoch ungewöhnlich, insbesondere da Faber als Ziel für sein Portfolio ähnliche Renditen wie mit einem Buy&Hold Aktien-Index-Investment anstrebt. Ob Fabers Portfolio dem gerecht wurde, können wir leider nicht beurteilen, da uns keine Daten zu seinen Investments in Ackerland und Private Equity vorliegen. Denkbar ist es ohne Frage, auch bei enttäuschender Performance des Trinity ETFs und der Schwellenländer-Aktien in den letzten Jahren. Für den kleinen Teil seines Private Equity Portfolio mit Exit gibt er eine Rendite von über 40% an und die Ackerland-Renditen in den USA waren in der Vergangenheit vergleichbar zu Aktien.

Zweites Portfolio-Ziel ist eine reduzierte Volatilität. Dies ist durch den geringen Aktienanteil und den hohen Anteil an nicht-börsengehandelten Investments sicher gegeben. Meb Faber schreibt selbst, dass dieses Portfolio nicht für jeden Investor geeignet ist. Eine geeignete Umsetzung mit ausreichender Diversifizierung der Portfoliopositionen Ackerland und Private Equity erfordert eine Anlagesumme im hohen Millionenbereich. Dennoch ein sehr interessanter Denkanstoß, wie erwartet von einem der bekanntesten Experten für Portfolio-Konstruktion. Ganz im Sinne von Portfoliomix: es gibt nicht nur Aktien.

Meb Faber Portfolio: bewertung

Multi-Asset: extreme Diversifikation über Anlageklassen (Ackerland, Private Equity, Aktien, Aktien, Staatsanleihen, Rohstoffe, Immobilien, Währungen) und Strategien (Buy&Hold, Short, Trendfolge, taktische Asset Allocation)
Chance: Rendite nicht quantitativ bestimmbar, aber das Ziel aktienähnlicher Renditen dürfte erreicht worden sein
geringere Volatilität durch hohen Anteil nicht-börsengehandelter Anlagen; hohe Gewichtung von Ackerland und permanente Depot-Absicherung reduzieren den Drawdown
Meb Faber (Blog): How I invest my money

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